Erwerbsminderungsrente – alles Wissenswerte zum Arbeitskraftverlust

Bei der Erwerbsminderungsrente handelt es sich um eine Leistung der Deutschen Rentenversicherung. Sie springt dann ein, wenn Sie Ihre Arbeitskraft aus gesundheitlichen Gründen verlieren oder diese nur noch eingeschränkt vorhanden ist. Doch wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente konkret, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und welche Besonderheiten gilt es zu beachten? Wir möchten im Folgenden einen kleinen Einblick geben und haben die wichtigsten Punkte für Sie herausgearbeitet.

Die häufigsten Gründe für Erwerbsunfähigkeit

Laut aktueller Statistik der Deutschen Rentenversicherung sind psychische Erkrankungen wie Depressionen zu über 40 % die Hauptursache für den Verlust der Arbeitsfähigkeit. Der zweithäufigste Grund hierfür ist Krebs, wobei es sich um etwa 13 % der Fälle handelt – ein bereits deutlich geringerer Prozentsatz. An dritter Stelle der Ursachen stehen Krankheiten des Bewegungsapparates, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Arthrose, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch können selbstverständlich Unfälle eine häufige Ursache für eine geminderte Erwerbsfähigkeit sein.

Erwerbsminderungsrente – Voraussetzungen und Höhe

Sie sind gesundheitlich nicht mehr (in vollem Umfang) in der Lage zu arbeiten und haben Ihr reguläres Renteneintrittsalter noch nicht erreicht – hier greift unter Umständen die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Sie ist dafür da, einen Teil des Einkommensverlustes durch eine monatliche Rentenzahlung aufzufangen und soll dabei unterstützen, wieder ins Erwerbsleben zurückzufinden. Hier gilt ganz klar der Grundsatz “Reha vor Rente”.

Zunächst wird zwischen der teilweisen und vollen Erwerbsminderung unterschieden. Anspruch auf eine teilweise bzw. halbe Rente haben Sie dann, wenn Sie in der Lage sind, zwischen drei und sechs Stunden täglich eine beliebige Tätigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt auszuüben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass entsprechende Stellen auch tatsächlich frei und verfügbar sein müssen.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn Sie sechs oder mehr Stunden am Tag arbeiten können, besteht überhaupt kein Anspruch auf Leistung.

Die volle Erwerbsminderungsrente hingegen erhalten Versicherte, die maximal drei Stunden täglich erwerbstätig sein können. Die teilweise Erwerbsminderungsrente beträgt immer die Hälfte der vollen Rente.

Die Höhe Ihres jeweiligen Rentenanspruchs ist individuell und hängt davon ab, wie lange und wie viel Sie bereits in die Rentenkasse eingezahlt haben. Ihren persönlichen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente finden Sie in Ihrer Renteninformation.

Tipps für die Antragstellung

Eine Erwerbsminderungsrente muss bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden. Das Prüfverfahren ist sehr aufwendig und kann sich über mehrere Monate oder sogar Jahre hinziehen. Während dieser Wartezeit ist es wichtig, im Anschluss an eine etwaige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers durch Krankengeld finanziell geschützt zu sein – gegebenenfalls auch über die gesetzlichen 78 Wochen hinaus. Selbstständige und Freiberufler sollten sich bereits ab einem früheren Zeitpunkt privat absichern.

Besonderheiten bei Hinzuverdienst

Während des Rentenbezuges ist es möglich, innerhalb gewisser Hinzuverdienstgrenzen zusätzliches Einkommen zu generieren, ohne den Rentenanspruch zu verlieren. Das darf jedoch nur im Zuge des sogenannten Restleistungsvermögens geschehen, also mit der noch verbliebenen Arbeitskraft, die trotz Krankheit vorhanden ist. Diese Hinzuverdienstgrenze beläuft sich bei voller Minderung der Erwerbsfähigkeit auf 6.300 EUR pro Kalenderjahr.
Der Betrag, der diese Grenze übersteigt, wird zu 40 % auf die volle Erwerbsminderungsrente angerechnet.Die Hinzuverdienstgrenze bei teilweiser Erwerbsminderungsrente berechnet sich individuell. Man betrachtet Ihr höchstes Jahreseinkommen der letzten 15 Jahre – 81 % davon bilden Ihre Hinzuverdienstgrenze. Wenn Sie diese überschreiten, wird der übersteigende Teil ebenfalls zu 40 % von Ihrer monatlichen Rente abgezogen.Üben Sie also einen Nebenjob aus oder planen, einer freiberuflichen oder selbstständigen Tätigkeit nachzugehen, ist es sinnvoll, im Vorfeld bei Ihrem Rentenversicherungsträger anzufragen und sich Ihre individuelle Grenze ermitteln zu lassen.

Welche Abgaben fallen an?

Die Erwerbsminderungsrente ist teilweise zu versteuern. Wie auch die Altersrente unterliegt sie der nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet, Beiträge zur Rentenversicherung sind steuerlich absetzbar, während Leistungen in der Rentenbezugsphase versteuert werden müssen. Aktuell nähert man sich schrittweise einer hundertprozentigen Versteuerung der Renten bis zum Jahr 2040 an.

Wird beispielsweise in 2020 erstmals eine Erwerbsminderungsrente bewilligt, so ist diese zu 80 % zu versteuern. Der steuerfreie Teil, in diesem Fall 20 %, bildet dann Ihren individuellen Freibetrag, der für die gesamte Dauer der Rentenzahlung unverändert bleibt.
Wichtig an dieser Stelle: Das Bewilligungsjahr ist entscheidend für die Ermittlung des Freibetrags – nicht etwa das Jahr der erstmaligen Zahlung der Erwerbsminderungsrente. Eine Bewilligung kann durchaus auch rückwirkend erfolgen.

Zudem unterliegen Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit der Sozialversicherungspflicht: Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge müssen abgeführt werden.